Raupe Nimmersatt

Manche Hunde scheinen ständig hungrig zu sein. Dabei kommt mir sofort der Labrador Retriever in den Sinn: immer auf Futtersuche, immer hungrig. Aber wussten Sie, dass dahinter auch ein kleiner „Baufehler“ im Erbgut stecken kann?

Das sogenannte POMC‑Gen sorgt im Körper dafür, dass Hormone gebildet werden, die dem Gehirn sagen: „Ich bin satt.“ Wenn dieses Gen verändert ist, bleibt dieses Signal aus. Betroffene Hunde haben deshalb mehr Hunger – und das dauerhaft. Gleichzeitig verbrennen sie im Ruhezustand auch noch weniger Energie. Die Folge: Sie nehmen schneller zu.

In aktuellen Studien wurde gezeigt: Etwa 25 % aller Labradore und über 60 % der Flat Coated Retriever tragen diese Veränderung. Diese Hunde sind nicht einfach nur „verfressen“. Sie haben echten Dauerhunger.

Gut trainierbar – aber zu welchem Preis?

Labradore gelten als besonders leicht trainier- und erziehbar. Für Futter tun sie (fast) alles. Genau das machte sie über Jahrzehnte attraktiv – für Assistenzhundeprogramme, für Jäger, für Familien. Doch dadurch wurde diese „Futterfokussierung“ unbewusst mitgezüchtet. Hunde mit stärkerem Hunger ließen sich besser trainieren – also wurden sie bevorzugt zur Zucht eingesetzt.

Heute wissen wir: Ständiger Hunger ist kein praktisches Trainingsfeature – sondern eine Form von Leid. In extremen Fällen kann das sogar unter den Begriff Qualzucht fallen.

Was betroffenen Hunden hilft:

  • Häufige, kleinere Mahlzeiten, um starke Blutzuckerschwankungen zu vermeiden
  • Langsames Fressen, damit der Körper Zeit hat, Sättigungssignale zu senden
  • Mentale Auslastung beim Fressen (z.B. Schnüffelmatte, Futterball), um den Fokus von der Gier zur Beschäftigung zu lenken
  • Bewegung und Kopfarbeit – für die Figur und fürs Wohlbefinden
  • Verständnis: Es ist keine Erziehungsfrage, sondern genetische Veranlagung

Und die Pet Food Industrie?

Die Erkenntnisse zum POMC-Defekt zeigen: Eine „one size fits all“-Fütterung funktioniert nicht. Die Pet Food Industrie hat hier eine große Verantwortung Futterkonzepte zu entwickeln, die stärker auf Sättigung abzielen, etwa durch Ballaststoffe, höhere Protein- und geringere Energiegehalte sowie angepasste Fütterungsempfehlungen, die eine adäquate Nährstoffversorgung sicherstellen.

Fazit: Wenn ein Hund nicht satt wird, kann das genetische Ursachen haben. Das POMC-Gen ist ein Beispiel dafür, wie eng Zucht, Verhalten und Gesundheit verknüpft sind – und welche unbeabsichtigten Folgen gezielte Selektion haben kann.

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